Tagebuch 2013


25.9.2013 Sendlinger Torplatz, München
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Staatswanwaltschaft stoppt Antikriegszug nach Prag vor CSU-Zentrale
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Der Antikriegszug “Klassenkampf statt Weltkrieg”, der heute vom ehemaligen Führerbau zu einer Fahrt nach Prag aufbrach, wurde wenige Minuten später vor der Münchner CSU-Zentrale in der Lazarettstraße von einer Staatsanwältin bis auf weiteres gestoppt. Ihm wird vorgeworfen, daß auf den historischen Wehrmachtskostümen die damaligen Abzeichen zu sehen sind, also Abzeichen mit den Hakenkreuzen.

Die Geschichte wiederholt sich nicht, und wenn, dann als Farce. Anfang 1990 wurde die CSU-Zentrale von Gegern der Einverleibung der DDR eine Woche lang belagert.

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Heute sorgen Polizei und Justiz dafür, daß sie wieder belagert wird. Genau am 75. Jahrestag des “Münchner Abkommens”, mit dem sich Deutschland ein Stück der Tschechoslowakei einverleiben durfte.
Ist die Reaktion vor lauter Eifer so blind, daß sie Verweise auf die Geschichte nicht mehr fürchtet, sondern selbst inszeniert?

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Die Polizei berief sich bei ihrer Aktion auf obige Staatsanwältin, weigerte sich aber, deren Telefonnummer oder andere Kontaktdaten herauszugeben. Der richterliche Notdienst war nicht besetzt.
Als schließlich doch ein Eilrichter aufgetrieben werden konnte, lag diesem keine schriftliche Entscheidung der Staatsanwältin vor. Nach längerer Bedenkzeit entschied er, dass er nichts zu entscheiden habe, weil es nicht um eine Strafsache, sondern um eine Maßnahme nach dem Polizeiaufgabengesetz handle!
Ohne sein Recht bekommen zu haben, konnte der Zug (“da man mit den Zeiten lebt, sind die Haken Überklebt” – Bertolt Brecht) erst bei einbrechender Dämmerung durch die Arbeiterviertel im Münchner Norden fahren. Wir werden diesen Willkürakt nicht auf sich beruhen lassen und auch vor Gericht unser Recht durchsetzen.

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Zugtagebuch, 30. September 2013

Noch sind die Haken an den Hakenkreuzen, mit denen vor erneuten Kriegsvorbereitungen des deutschen Kapitals gewarnt wird, überklebt nach den gestrigen Auseinandersetzungen mit Polizei und Staatsanwaltschaft, als wir morgens um 5.00 Uhr mit unserem Aktionszug vor MAN, einem LKW- und Rüstungsbetrieb in München stehen und an die Kollegen der Frühschicht verteilen. Arbeiter von Daimler aus Bremen auf dem Wagen der Arbeiter sagen ihnen: Leiharbeit und Werksverträge sind Kriegsvorbereitung. Sie berichten von den Streiks, die sie in Bremen dagegen führen. Und sie fordern die Solidarität der MAN-Kollegen ein.

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Denn, wie Roman Münzer, Vertrauensmann bei Mercedes in Wörth sagt: Wir sind keine Konkurrenten. Wir sind eine Klasse. Über Land, durch die Holledau nach Ingolstadt. Kundgebungen in der Stadt und vor der Berufsschule. Ein Berufsschüler zu einem Flugblattverteiler: „Ich dachte, Krieg ist immer gut!“ Nein, sagt ein junger Genosse aus Ingolstadt vom Jugendwagen und zeigt auf den Flakhelfer auf dem Anhänger des 1. Wagens des Zugs. Der, sagt er, hat vielleicht auch gemeint, er komme davon, wenn der deutsche Krieg geführt wird. Und fand sich wieder in der Uniform eben dieses deutschen Krieges. Und ein tschechischer Genosse sagt der Jugend: Als mit dem Münchner Diktat gegen mein Land vor 75 Jahren die Tschechoslowakei dem deutschen Krieg ausgeliefert wurde, da war das nicht nur eine Katastrophe für mein Volk. Es war eine Katastrophe auch für das deutsche Volk. Denn der Krieg des deutschen Kapitals mit seinen 60 Millionen Toten kam zurück in das Land, in dem er zugelassen und vorbereitet worden war. Wir sind nicht hier, sagt er, um uns gegenseitig Schuld zu geben. Wir sind hier, um zu verhindern, daß so etwas jemals wieder geschieht!

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Einzelne aus der Berufsschule reihen sich ein in den Zug, der dann weiterzieht zur Kundgebung vor Audi, Tor 11. Mittagsschichtwechsel. Wie schon beim Aktionszug „Klassenkampf statt Wahlkampf“ 2009 hat der Werksschutz durch die Polizei wieder die Straße vor Tor 11 sperren lassen. Ein Paradebeispiel, wer hier Koch und wer Kellner ist: Die Monopole und ihre Lakaien kommandieren den Staatsapparat! Die Kollegen sollen einen Umweg fahren, zu spät zur Arbeit kommen – und natürlich wütend auf die Kriegsgegner werden. Erst nach der Drohung durch den Aktionszug, die Barrieren selbst wegzuräumen, wird die Sperre aufgehoben.

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Rainer Herth, VK-Leiter bei manroland in Offenbach: Offenbar haben die Audi-Kapitalisten den Kampf gegen den Krieg, den Kampf um die Köpfe der Arbeiter ja sehr zu fürchten.

Max Hirdes, ehemals Chemiearbeiter, heute erwerbslos: Es sind die Herren, die den Klassenkampf führen, z.B. mit Leiharbeit als Vorbereitung der Kriegs-Zwangsarbeit. Haben wir eine andere Wahl als unseren Klassenkampf gegen ihren drohenden Krieg dagegenzusetzen?

Jochen Kohrt, Betriebsrat und Vertrauensmann bei Daimler berichtet aus Bremen: Heute vormittag haben die Vertrauensleute von drei Hallen bei Daimler getagt und die Fortsetzung der Streikaktionen gegen Leiharbeit und Werkverträge beschlossen. Die Audi-Arbeiter erfahren es also hier aus erster Hand. Sie hören auch von Roman Münzer aus Wörth und anderen Gewerkschaftern, Betriebsräten und Vertrauensleuten aus der ganzen Republik, wie dringend der gemeinsame Kampf der ganzen Klasse ist, soll der drohende deutsche Krieg diesmal verhindert werden. Bald brauchen die Verteiler Nachschub an Flugschriften der internationalen Antikriegsaktion.

Um 17.30 Uhr Kelheim, Marktplatz: Die Jugend spricht, der Kreisvorsitzende der „Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken“: Wer nicht im Krieg der Deutschen Bank und Co. enden will, der muß jetzt aufstehen!

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Zugtagebuch, 1. Oktober 2013

Der gestrige Abend endet mit einem Sieg: Das Verwaltungsgericht München stellt die Kunstfreiheit wieder her bzw. erneut fest. Das Zeigen von Nazisymbolen zur Warnung vor einem neuen Faschismus und einem neuen Krieg muß möglich sein. Wieder einmal zeigt allein die Unversöhnlichkeit im Kampf mit dem bürgerlichen Staatsapparat den Weg, wie man siegen kann.

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Das wichtigste Ereignis des 1. Oktober findet am anderen Ende der Republik statt und hat doch große Wirkung, als der Aktionszug „Klassenkampf statt Weltkrieg“ am Mittag vor BMW in Regensburg eine Kundgebung abhält: 2500 Arbeiter bei Daimler in Bremen gehen für zweieinhalb Stunden in den Streik gegen Leiharbeit, Werkverträge und Fremdvergabe. Ihr Kampf ist ein Kampf nicht nur gegen die Hungerlöhne und die Unsicherheit der Existenz des Leiharbeiters. Es ist in allererster Linie ein Kampf gegen Kriegsvorbereitung und Krieg.

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Erinnern wir uns: Leiharbeit wurde von den Nazifaschisten in den 30er Jahren eingeführt. So wird der Arbeiter verliehen, vertauscht und kriegsverwendungsfähig gemacht: Heute Panzer bauen, morgen Panzergräben ausheben. Im Interesse einer Ökonomie des Krieges und der Kriegsvorbereitung.

Arbeiter von Daimler in Bremen, manroland in Offenbach, Jungheinrich in Hamburg, Daimler in Wörth und anderen Betrieben rufen die BMW-Arbeiter zur Solidarität mit diesem so wichtigen Kampf der Daimler-Kollegen auf und sammeln Unterschriften unter eine Solidaritätsadresse. Bald sind ganze Listen vollgeschrieben. Schluß mit dem Streikbruch in Deutschland und aus Deutschland!

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Das alles vor einer Fabrik des BMW-Konzerns mit langer Tradition als Rüstungsbetrieb. Sein Emblem ist noch heute den Rotoren der Flugzeuge der Naziluftwaffe nachempfunden, für die BMW Motoren lieferte. Mit Recht wies ein Leser darauf hin, dass das BMW -Emblem älter ist als die Nazi-Luftwaffe. BMW entstand mitten im ersten imperialistischen Weltkrieg als Fabrik für Flugzeugmotoren. Es ist kein Zufall, dass seit Ende der 20er Jahre – als die Vorbereitung des zweiten Weltkriegs schon lief – das BMW-Emblem als stilisierter Propeller interpretiert wurde. Und erst dank der Profite aus diesem Krieg wurde BMW zu einem der bedeutendsten Autokonzerne, der wie in seinen Anfängen eng mit der Rüstungsproduktion verbunden ist.
In der Tat: Der Kampf gegen den drohenden Krieg hat Gegner mit Namen, Anschrift und Gesicht.

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Davor war der Agitationszug durch Regensburg gefahren: Heute um 9.15 Kundgebung vor der Kerschensteiner Berufsschule. Zwei Teilnehmer des Zugs, selbst Schüler an dieser Berufsschule stehen auf dem Wagen der Jugend und klären auf, agitieren zum Kampf gegen den drohenden deutschen Krieg. Um die Flugblattverteiler bilden sich Trauben von Schülern, heftige und leidenschaftliche Diskussionen für und gegen den Kampf, den der Aktionszug vorschlägt. In die Sammelbüchsen der Verteiler klimpern erste Spendencents für die Antikriegsaktion.

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Kundgebung auf dem Neupfarrplatz im Herzen der Stadt Regensburg. Erst wenn die Fabriken und der Staat in den Händen der Arbeitenden sind, erst mit der Arbeitermacht sind wir den Krieg und seine Vorbereitung, die uns jetzt schon verelendet und entrechtet, los. (Heinz Klee, Mitglied des Aktionsbüros „Das Begräbnis oder die HIMMLISCHEN VIER“ in seiner Rede.) Roman Münzer, Arbeiter, geboren in Polen: Seinen Kollegen dort wird von den Kapitalisten erzählt, was sie den Arbeitern hier auch sagen: Ihr seid zu teuer! Also: Das deutsche Kapital, das nach 1989/90 nach Osten zog, Millionen dort auf die Straße warf, zieht weiter. Wo es hinging und wieder weggeht, hinterläßt es eine Wüste, in der die Arbeit nicht leben kann!

Zbynek Cincibus, tschechischer Mitkämpfer in der internationalen Antikriegsaktion, erklärt: Wenn ihr zulaßt, daß andere Völker von euren Herren unterdrückt werden, zementiert ihr nichts als eure eigene Unterdrückung. Worauf vor dem Arbeiterwagen des Zugs das tschechische Widerstandslied „Proti vetru“ zu hören ist.

Die aus der Sparkasse Kommenden werden von einem Agitator aufgefordert: Der Kontoauszug muß einfach eine Spende der Solidarität mit den Kriegsgegnern hergeben. „Was ist dir der Kampf gegen den Krieg wert?“ – Worauf ein 20-Euro-Schein in der Sammelbüchse landet.

Der Aktionszug morgen, 2.10.2013

Nürnberg: Kundgebungen vor der Lorenzkirche 11.00 Uhr / Siemens Leistritz 13 – 15 Uhr

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Zugtagebuch 2. Oktober 2013

Der Aktionszug klärt nicht nur auf. Er agitiert nicht nur gegen den drohenden Krieg. Er organisiert. So vor dem Berufsbildungszentrum in Nürnberg am Morgen des 2. Oktober. Junge Arbeiter sprechen vom Jugendwagen. Dann springen sie vom Wagen und diskutieren mit den Berufsschülern. Nicht nur vor, auch in der Schule.

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Die Zwerge, die deutschen Michel, die 5. Kolonne der deutschen Monopole in anderen Ländern mischen sich unter die Schüler und erklären ihre Rolle und die Gefahr, die von dem ausgeht, was sie verkörpern.

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Danach ist der Wagen der Jugend auf einmal proppenvoll. Schüler des BBZ haben sich entschlossen, mit dem Aktionszug weiter durch ihre Stadt Nürnberg zu fahren und mitzuhelfen, noch mehr für den Antikriegskampf zu organisieren. Dies tun zu können, haben sie spontan bei ihren Lehrern und der Schulleitung durchgesetzt. Am nächsten Zwischenstopp bekommt der Wagen der Arbeiter Zulauf – eine Kollegin klettert hinauf und fährt weiter mit.

Mit einigen Zwischenstops fährt der Zug durch Nürnberg. Dann Kundgebung an der Lorenzkirche.

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Neben Arbeitern und Jugendlichen aus der ganzen Republik – Stefan Eggerdinger für das Aktionsbüro „Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER“ spricht über Nürnberg als die Stadt von Anfang und Ende. Er spricht vom Anfang der organisierten Begeisterung der Naziparteitage in dieser Stadt. Er spricht vom Ende, als nicht nur die deutschen Städte in Trümmern lagen, sondern in eben dieser Stadt Nürnberg die Völker zu Gericht saßen über die deutschen Kriegstreiber und Mörder an 60 Millionen. „Denken Sie darüber nach, wenn sie wieder einmal glauben, es sei gut für sie und ihren Arbeitsplatz und ihren Kontostand, wenn sie den deutschen Herren helfen, den Kontinent zu beherrschen. Das Volk in Deutschland hat nur Schlimmes zu gewärtigen, wenn seine Herren das Land und seine Spardiktate und seine Steuer-Spenden-Zinseintreiber auf dem ganzen Kontinent verhaßt machen. Wie lange wird das gut gehen in einer Welt, in der Millionen für das blanke Überleben den Umsturz alles Bestehenden organisieren müssen? Dieser Aktionszug stellt die Frage: Mit den eigenen Herren zum Mörder werden und untergehen, oder sich auf die Seite derer stellen, die heute schon den kommenden Krieg bekämpfen und sagen: Ein drittes Mal mit uns – Nein!? Entscheiden müssen Sie!“

Mittags vor Siemens/Leistritz in der Frankenstraße. Die Flugblattverteiler des Zugs tragen Tafeln: „Mercedes-Kollegen im Streik gegen Leiharbeit. Macht mit!“ Mercedes-Kollegen im Streik gegen Leiharbeit. Und Ihr?“

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Wieder füllen sich die DIN A4-Seiten mit Unterschriften unter eine Solidaritätsadresse mit den Arbeitern in Bremen. Auch der Fahrer eines Zuliefer-LKWs unterschreibt. Arbeiter wissen, daß, wie Brecht schrieb, Proletariate sich selber helfen müssen: sie spenden für die Weiterfahrt des Antikriegszugs. Denn, wie ein Sprecher des Zugs schon vor der Lorenz-Kirche gesagt hatte: „Der Kampf gegen den Krieg kostet Geld. Ihn nicht zu führen, kann das Leben kosten.“

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Der Tag endet mit einer kurzen Kundgebung in Bayreuth.

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Der Zug morgen, 3.10.2013

Von Bayreuth über Wunsiedel und Selb zur Grenze der Tschechischen Republik. Kundgebung 13.00 bis 13.30 Uhr an der Edvard-Benesch-Schule in Asch, gleich anschließend in Krasna am Denkmal für die Verteidiger der Grenze der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik.

Über Hazlov und Frantiskovy Lázne nach Cheb.

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Zugtagebuch 3. Oktober 2013

Vor 75 Jahren setzte Hitler seinen Fuß in Asch auf tschechischen Boden. Und in der BRD wird heute, am 3.10.2013, der Schritt in den deutschen Krieg gefeiert, den die Annexion der souveränen DDR darstellte.

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Wir kommen als Internationalisten und Freunde des Volkes in die Tschechische Republik. Und auch auf tschechischem Boden wird der Aktionszug „Klassenkampf statt Weltkrieg“ von den Behörden und der Polizei gestoppt. Es stellt sich heraus: weitgehend unter dem Kommando deutscher Polizei! So weit also ist die Untergrabung der Tschechischen Republik schon gediehen. Nicht nur, daß deutsches Kapital dieses Land zum großen Teil besitzt – sein Staat beherrscht es schon in einem Ausmaß, von dem der deutsche Faschismus vor 1938 nicht einmal zu träumen wagte.

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Das Kunstwerk des Zugs soll also auch hier nicht gezeigt werden. Die Darsteller sollen nicht auf den Wagen sitzen. Aber auch hier setzt die internationale Antikriegsaktion sich durch und der Zug fährt nach einigen Stunden nach einer Kundgebung vor dem Benesch-Denkmal in Asch über Krasna (Denkmal für die Grenzschützer der Tschechoslowakei) und Hazlov (Gedenken an im KZ ermordete deutsche und tschechische Widerstandskämpfer) weiter nach Cheb.

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Über die juristische Auseinandersetzung werden wir morgen mehr berichten. Hier nur soviel: Daß auch in seinem Auftreten als politisches Kunstwerk der Zug die tschechische Souveränität offenkundig gegen die deutsche Staatsgewalt auf tschechischem Boden verteidigen muß. Wie Helge Sommerrock am Denkmal für die ermordeten Antifaschisten sagte: Wir ehren sie, indem wir für das kämpfen, wofür sie starben. Es wird Opfer kosten. Aber wir haben den Willen zum Sieg!

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Zugtagebuch 4./5. Oktober 2013

4. Oktober 2013

Eine gewonnene Schlacht ist noch nicht der gewonnene Krieg. Der Zug kann in der Region Karlovy Vary fahren, wie er fahren soll – als rollendes politisches Kunstwerk. Die ganze Nacht über wurde an juristischen Schriftsätzen gearbeitet, mit denen wir sicherstellen wollen, daß dem auch in den anderen Regionen so ist. Als die Darsteller auf den Zug und die Verteiler in ihre Troßfahrzeuge steigen, wissen wir noch nicht, wie es an der Grenze zum nächsten Bezirk aussehen wird. Aber schon bei Abfahrt ist klar, daß deutsche und tschechische Polizei Hand in  Hand das Kunstwerk zerschlagen wollen.

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Am Bahnhof von Cheb sprechen der örtliche Parlamentskandidat der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens und Vertreter des Klubs der tschechischen Grenzgebiete. Und das Aktionsbüro „Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER“ erklärt: Hitler vor 75 Jahren wurde nicht aufgehalten, als er seinen Fuß auf tschechischen Boden setzte. Die Internationalisten, Kämpfer gegen den Krieg – sie werden heute unter dem Kommando deutscher Polizei auf tschechischem Boden aufgehalten. Solidarität wird eingefordert – der Kampf um die Souveränität der Tschechischen Republik ist ein gemeinsamer Kampf diesseits wie jenseits der Grenze!

In Dolní Žandov ist der Kundgebungsplatz voller Kinder. Die Bürgermeisterin begrüßt den Zug. Und wir erklären den Kindern den Aktionszug und warum wir hier sind: Daß unsere Völker nie wieder aufeinander schießen und alle Kinder diesseits und jenseits der Grenze sorglos groß werden können. Das tschechische Widerstandslied Proti Větru wird angestimmt und von den Kindern und anderen Bürgern der Tschechischen Republik begeistert mitgesungen.

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In Chodová Planá die nächste Schikane der Polizei: Alle LKWs des Zugs werden gewogen.

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Es geht ihnen um mehr: Der neue Bezirk (Bezirk Plzeň) wird sich nicht an die Vorgabe des Bezirks Cheb halten. Die Darsteller müssen von den Wagen. Der Leiter des Verkehrsamtes gibt uns Recht – die Polizei erklärt, das interessiere sie nicht. Nicht nur der Einfluß der deutschen Polizei ist ungeheuer. Auch das Ausmaß, in dem die Tschechische Republik bereits Polizeistaat ist. Richter arbeiten am Wochenende nicht, ein Eilverfahren ist nicht möglich.

Das Plenum am Abend diskutiert: Wir haben nicht die juristischen Mittel, die wir brauchen. Das Interesse des Volks an unserem Zug, die Zustimmung für die internationale Antikriegsaktion sind hoch. Die organisierte Solidarität und Unterstützung aber noch zu schwach, diese Polizeiwillkür zu durchbrechen. Mit einem Zug ohne Darsteller und ohne Reden werden wir nicht durch Prag fahren. Wie aber können wir der tschechischen Aktionseinheit am besten helfen, den Widerstand gegen die Feinde des Volks von innen und außen zu stärken?

Die Zugteilenehmer beschließen: Wir werden am Samstag in Plzeň noch einmal mit dem Zug auftreten und um unsere Rechte kämpfen.

5. Oktober 2013

Wieder eine gewonnene Schlacht. Der Aktionszug zieht durch einen Teil von Plzeň – nicht ganz wie geplant, aber dennoch wirkungsvoll. Die Darsteller verlassen ihre Wagen und postieren sich davor.

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So kommt „Klassenkampf statt Weltkrieg“ zum zentralen Platz der Stadt und hält eine mehrstündige Kundgebung ab.

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Bürger von Plzeň beschweren sich bei der Polizei: Hier werden faschistische Symbole gezeigt! Wir nutzen diesen Protest, um zu erklären, wieso wir hier sind und daß wir die verhaßten Zeichen des deutschen Faschismus zeigen, weil wir zutiefst entschlossen sind, sowohl den Faschismus als auch jede Infiltration der Tschechischen Republik durch die Sudetenrevanchisten, vor allem aber die 5. Kolonnen im tschechischen Staatsapparat selbst zu bekämpfen.

Danach zieht der Aktionszug nach Prag – mit den Darstellern auf den Wagen!

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Zugtagebuch 6. Oktober 2013

“Difficile est. satiram non scribere.” Es fällt schwer, keine Satire zu schreiben, schrieb der Dichter Juvenal über die Verkommenheit der römischen Kaiserzeit.

Es ist schwer, keine Satire zu schreiben über die Anmaßung, die Dumm- und Frechheit, die fortgesetzten Rechtsbrüche, ja die Unkenntnis jeglichen Rechts bei den Polizeieinsatzkräften, die auch gestern wieder versuchten, in Plzeň die Fahrt des Zuges zu verhindern. Und es brauchte die Klugheit der Schlange, diese Polizei zu besiegen. Jedenfalls ist es uns gelungen. Der Zug hielt nicht nur seine Kundgebung ab, sondern fuhr auch als Gesamtkunstwerk in Prag ein. Uns scheint, nicht nur die Tschechoslowakei wurde zerschlagen in die Tschechische und die Slowakische Republik, auch die Tschechische Republik in sich wurde zerschlagen: aus einem einst hoch zentralisierten Land in ein regionalisiertes, föderalistisches (wir wissen aus eigener Erfahrung, welcher Hebel zur Durchsetzung reaktionärster Maßnahmen der Föderalismus ist), in dem jede Region Verfassung und Gesetze nach Gutdünken auslegt und „anwendet“.

Heute Fahrt nach Lidice. Nachdem sich gestern zwei polnische Mitkämpfer dem Zug angeschlossen haben, stoßen heute Mitkämpfer des Revolutionären Freundschaftsbunds aus der annektierten DDR dazu.

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Im Gespräch mit einem Vertreter der Leitung der Gedenkstätte in Lidice: Das Auftreten der internationalen Antikriegsaktion nennt er würdig und beeindruckend. Der Aktionszug legt Blumengebinde nieder am Denkmal für die deportierten und ermordeten Kinder von Lidice und am zentralen Mahnmal.

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Was in Lidice, wo der Hitlerfaschismus als Rache für das Attentat auf Heydrich ein ganzes Dorf zerstörte und seine Menschen ermordete, geschehen ist, nennen viele unfaßbar. Für uns, die Kämpfer gegen die Kriege einer untergehenden Welt, die nur durch die äußerste Barbarei noch existieren kann, ist das nicht unfaßbar. Auf die Barbarei Heydrichs folgte die Barbarei in Lidice. Diese ganze Barbarei aber hat Namen, Anschrift und Gesicht. Und deswegen tragen die verachtenswerten Figuren auf einem unserer Wagen (die deutschen Zwerge mit ihrem „Schneewittchen“ Germania) die Embleme jener deutschen Monopole, die die Okkupation der Tschechoslowakischen Republik gemacht haben und sie heute wieder machen: ökonomisch, politisch und militärisch. Anders als durch Barbarei und Krieg können sie nicht überleben. Die Toten von Lidice wie die Toten des Widerstands in der Tschechoslowakei, des slowakischen Aufstands, der Barrikaden von Prag des Mai 1945, sie sind nicht umsonst gestorben. Sie leben weiter, weil aus ihrem Widerstand und ihren Organisationen des Widerstands die Keime einer neuen, einer volksdemokratischen Welt hervorgingen. Noch einmal wurde diese Volksdemokratie unter kräftiger Mithilfe der Mörder von damals, eben jener deutschen Monopole, ihres Staates und ihrer Kriegshetzer, zerstört. Die Mörder leben noch unter uns. Aber die Waffen sind da und die Lehren können gezogen werden. Ein Volk kann die neue Welt nur im Kampf unter Führung der Arbeiterklasse erreichen. Unsere Ehrung der Toten von 1938 bis 1945 ist es, diesen Kampf zu führen.

Nachmittags durch Viertel der Werktätigen in Prag. Viele Wohnungen, von den Werktätigen geschaffen und ihnen einst gehörend, sind privatisiert. Gleich nach 1989/90 erfolgte dies illegal, durch Strohmänner der deutschen und anderer Grundherren und Kapitalisten. Heute ist die Enteignung nahezu komplett Heute gehört dem Volk nicht mehr, was das Volk geschaffen hat. Das war gut sichtbar für uns an diesem Sonntag in Prag.

Unsere Verteiler sind zu Fuß, auf Skatern, auf Fahrrädern unermüdlich unterwegs, damit jeder auch nur irgendwie Erreichbare die tschechische Ausgabe der zentralen Flugschrift „Klassenkampf statt Weltkrieg“ zur Kenntnis bekommt.

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Zugtagebuch 7. Oktober 2013
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Den ganzen Tag fährt der Zug der Warnung, der Aufklärung und der Organisierung gegen den drohenden deutschen Krieg durch Prag. Er hält drei Kundgebungen ab, davon eine am Mittag im Herzen der Stadt, auf dem Wenzelsplatz.

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Es ist der Platz, auf dem Hunderttausende Ende der 30er Jahre für die Verteidigung des Landes gegen den deutschen Aggressor demonstrierten. Auf dem im Februar 1948 Hunderttausende, vor allem Arbeiter aus den Prager Betrieben, für die Entlassung der bürgerlichen Minister und eine Regierung des Volkes, der Volksdemokratie demonstrierten.

Die Redner der tschechischen wie der deutschen Aktionseinheit gegen den Krieg erinnern daran. Die Lehren werden wieder gebraucht, denn der Feind steht wieder im Land. Und der Aktionszug zeigt und entlarvt ihn.

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Zugtagebuch 8. Oktober 2013
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Am Abend des 7. Oktober halten die Teilnehmer an der Antikriegsaktion ihr letztes Plenum auf der aktuellen Etappe ab. Wie immer wird der nächste Tag besprochen, vor allem aber festgehalten:

Wir haben das Ausmaß erlebt, in dem das tschechische Volk bedroht ist. Bedroht von der Infiltration durch eine 5. Kolonne, die durchaus gefährlicher ist als es die sudetendeutschen Revanchisten je noch sein können. Die 5. Kolonne sitzt im Staatsapparat, in der Polizei, beim Militär. Sie besteht aus tschechischen Bürgern selbst, die sich auf der einen Seite als Helfershelfer der deutschen Landnahme betätigen, die sich auf der anderen schadlos halten, indem sie Bürger der Tschechischen Republik im Interesse der einheimischen Bourgeoisie kujonieren und schikanieren.

Das Ausmaß des Mangels an einer wenigstens bürgerlich-demokratischen Gewaltenteilung, das wir erlebt haben (will man Beschwerde gegen die Polizei erheben, muß man zur Polizei gehen!) ist der Boden, auf dem Polizei- und Militärdiktaturen wachsen.

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Die Weiterführung und Stärkung der internationalen Aktionseinheit „Klassenkampf statt Weltkrieg“ ist also dringendst notwendig. Unsere tschechischen Mitkämpfer müssen – und dem tschechischen Volk ist das seit den Kriegen der Hussiten nichts Neues – gegen zwei Feinde kämpfen: den inneren wie den deutschen äußeren. Und der deutsche Arbeiter, der Werktätige in der BRD und der annektierten DDR, sie müssen aus der Geschichte wie aus den von uns erlebten Tatsachen eines jeden Tages lernen: Wie falsch die Ansicht ist, das deutsche Hemd sei ihnen näher als der tschechische Rock. Wie alles, was deutsches Kapital dem Volk der Tschechischen Republik antut und dort anrichtet, unmittelbar gegen das Volk in der BRD und der annektierten DDR zurückschlägt – z.B. in Formen der Kriegsökonomie wie der Leiharbeit, der Zersetzung des Normalarbeitsverhältnisses, der Vorbereitung der Zwangsarbeit. Ein Volk, das andere Völker unterdrückt, kann selbst nicht frei sein. Das zu verstehen oder noch besser als bisher zu verstehen, bieten die Erfahrungen des Aktionszugs reiches Material.

Und noch eins haben der Aktionszug und seine Scharmützel gegen Polizeiwillkür und das Fehlen bürgerlich-demokratischer Verhältnisse gelehrt: Wir sind im Kampf, und wir können und werden mit Sicherheit Schlachten verlieren. Aber niemals werden wir etwas erreichen, indem wir faule Kompromisse eingehen, indem wir auch nur einen Millimeter Boden preisgeben.

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Am 8. Oktober fährt der Zug einen weiteren Tag durch Prag und hält um 14.00 Uhr auf dem Platz der Soldaten der Roten Armee seine Schlußkundgebung. Es sprechen Vertreter der tschechischen „Soldaten gegen den Krieg“, des „Klubs der tschechischen Grenzgebiete“, des Kommunistischen Jugendverbands und des Aktionsbüros „Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER“. Ein letztes Mal zwingen die Schalmeien der Jugend die Zwerge des deutschen Kapitals samt ihrer „Germania“ zum Verstummen.

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Es beginnt die Vorbereitung der nächsten Etappe der internationalen Antikriegsaktion „Klassenkampf statt Weltkrieg“.

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